Wenn Kollegen zu Followern werden: Social Network im Unternehmen (Newsletter 09/2011)

Editorial

Liebe Leser,

Yammer sorgt für einen Mix aus Praktischem, Tiefgründigem und Alltäglichen: So fasst Andy Mullholland, Global Chief Technology Officer von Capgemini, die Nutzung der Microblogging-Software in seinem Unternehmen zusammen. Was als Initiative einiger weniger anfing, wird inzwischen von Tausenden Capgemini-Mitarbeitern genutzt. Eine neue Studie geht den Motiven, den Nutzungsgewohnheiten, den Chancen und den Risiken von Microblogging im Unternehmen auf den Grund. Wir stellen ihnen die Fallstudie vor.
Eine weiteres Studienergebnis, das uns diesmal beschäftigt, liefert die AOK: Lob vom Chef motiviert nicht nur, es macht auch gesünder. Und viele, die keine Anerkennung bekommen, werden krank. Vielleicht sollten wir alle also unsere Kollegen ein bisschen öfters loben!
Einige Lektionen unserer Cogneon Akademie stellen wir Ihnen kostenfrei als Online-Module zur Verfügung. Das Mitmachen ist ganz einfach: Unter auf den Seiten der Cogneon Akademie anmelden und loslegen, wann immer Sie möchten. Im Mittelpunkt der ersten Lektionen stehen Soziale Medien und Soziale Netzwerke.

Am bequemsten lesen Sie unsere Newsletter wie immer online. Dort können Sie am Ende des Newsletters auch bequem Kommentare, Ideen und Ergänzungen einbringen.

Viel Spaß beim Lesen!
Ihr Simon Dückert

Inhalt:

  • Simon Dückert unterwegs: Von Leif Edvinsson bis Ikujiro Nonaka
  • Aus der Praxis: Yammer als soziales Netzwerk in Unternehmen
  • Aus der Wissenschaft: Fehlende Anerkennung macht krank
  • Cogneon 2.0: Orange Night in Bad Homburg
  • Do it yourself: Gedanken visualisieren mit FreeMind

Simon Dückert unterwegs: Von Leif Edvinsson bis Ikujiro Nonaka

Unterwegs bin ich in diesen Wochen eher selten: Ich genieße noch bis Anfang Oktober meine Elternzeit und lasse die Arbeit ruhen. Trotzdem bleibt natürlich Zeit, um regelmäßig in der Cogneon Akademie in Nürnberg vorbeizuschauen und die Ausgestaltung der Räumlichkeiten voranzutreiben. Wir haben die fünf Akademie-Räume besonderen Persönlichkeiten aus dem Wissensmanagement gewidmet.

Unser Café-Bereich mit Küche ist nach Etienne Wenger benannt, der sich vor allem mit Communities of Practice beschäftigt. Leif Edvinsson, weltweit erster Professor im Bereich Wissenskapital, ist Namensgeber für den Coworking Space und Karl Wiig, einer der Urväter des Wissensmanagements, für den Ruheraum. Für den Besprechungs- und Workshop-Raum haben wir den Namen von Ikujiro Nonaka, Autor des Standardwerks „The Knowledge-Creating-Company“, gewählt und Peter Senge, der den Begriff der Lernenden Organisation prägte, gibt unserer Bibliothek den Namen. 
Für die richtige Inspiration und den passenden Rahmen für spannende Veranstaltungen in der Cogneon Akademie ist also gesorgt. Den Auftakt macht im Oktober ein zweitägiger Wissensmanagement-Strategie-Workshop inklusive Orange Dinner.

Aus der Praxis: Yammer als virtuelles soziales Netzwerk

Der Microblogging-Dienst Twitter mit seinen 140 Zeichen langen Nachrichten ist heute weltweit bekannt. Doch macht Microblogging auch im Rahmen der internen Kommunikation von Unternehmen Sinn? Dieser Frage gehen Alexander Richter, Sebastian Schäfer, Kai Riemer und Stephan Diederich in der Enterprise 2.0-Fallstudie „Capgemini: Microblogging als Konversationsmedium“ nach. Bei der Management- und IT-Beratung Capgemini wird seit 2008 die kostenlose Plattform Yammer für das Enterprise Microblogging genutzt. Die Initiative ging dabei nicht von oben aus, sondern erfolgte bottom-up: Einige niederländische Capgemini-Berater gründeten ein firmeneigenenes Yammer-Netzwerk, um den möglichen Nutzen für das Unternehmen auszuloten.  Wenige Monate später waren bereits 300 Nutzer dabei, Ende 2010 hatte das Capgemini Yammer Netzwerk mehr als 18.000 Mitglieder. Doch wozu nutzen sie das Microblogging-Tool?

Probleme gemeinsam lösen
In den meisten Fällen wird Yammer eingesetzt, um Probleme zu lösen oder Ressourcen zu teilen, die auch anderen Capgemini-Mitarbeitern nutzen können. Einen weiteren großen Teil machen Nachrichten zu Arbeitsständen, anstehenden Aufgaben oder Veranstaltungen aus. Auf Platz drei folgt der Austausch von arbeitsrelevanten Informationen. Yammer hilft offensichtlich bei der Lösung einer Herausforderung, mit dem große Unternehmen wie Capgemini, dessen Mitarbeiter über die ganze Welt verteilt sind, in besonderem Maße konfrontiert sind: Wie findet man unter den zahllosen Mitarbeitern Experten mit ganz spezifischem Wissen? Entsprechende Postings auf Yammer helfen weiter, denn über das Netzwerk können entsprechende Ansprechpartner gefunden und implizit im Unternehmen vorhandenes Wissen geteilt werden. Übrigens nutzen auch Angehörige des Topmanagements von Capgemini Yammer – obwohl es zu diesem Zeitpunkt kein offizielles Tool des Unternehmens war. Die Möglichkeit über mehrere Hierarchiestufen hinweg zu kommunizieren, bewerten die Nutzer besonders positiv.

Veränderte Rolle des Managements
Relativ schnell wurde im Unternehmen aber auch klar, dass es Regeln für den Umgang mit Yammer geben muss, um die Balance zwischen weitestgehender Offenheit in der Kommunikation und maximaler Datensicherheit zu halten. Neben einer Leitlinie wurden ein Mission Statement, „Goldene Regeln der Yammer-Netiquette“ und Verhaltensregeln festgelegt. 
Die anhaltende Aktivität auf der Plattform und die hohen Nutzerzahlen belegen jedoch eindrucksvoll, dass Yammer tatsächlich „eine Lücke in der Systemlandschaft für einfachen, übergreifenden und offenen Informationsaustausch gefüllt hat“, so die Autoren. Dies bestätigt auch Andy Mullholland, Capgemini Global Chief Technology Officer: Für ihn eignet sich Yammer gut, um spezifische Probleme zu lösen, schnell Informationen zu teilen und um einem Thema unmittelbar Aufmerksamkeit zu verschaffen. Er weißt aber auch auf die Grenzen hin. Um strukturierte Informationen zu bewahren und zu teilen, bleiben Wissensmanagement-Datenbanken das Mittel der Wahl und bei komplexeren Problemen oder Brainstormings sind Face-to-Face-Meetings nicht zu ersetzen. Und noch etwas nimmt Mullholland mit: Soziale Netzwerktechnologien verändern auch die Rolle des Managements. Denn sie übernehmen Aufgaben, die bisher Führungskräfte leisten mussten, wie zum Beispiel die Strukturierung der Arbeit der Mitarbeiter oder das Herstellen von Kontakten zu anderen Abteilungen.

Auch bei Cogneon setzen wir seit Langem auf Yammer. Bei uns hat sich die interne Kommunikation dadurch weiter verbessert. Außerdem ist unser E-Mail-Aufkommen drastisch gesunken. Wer noch mehr über das Thema Soziale Netzwerke erfahren möchte, dem sei die entsprechende Lektion unseres Web 2.0-Führerscheins empfohlen, in dem das Thema vertieft wird.

Zum Weiterlesen: Andy Mullholand: Microblogging at Capgemini und
Enterprise 2.0-Fallstudie „Capgemini: Microblogging als Konversationsmedium“

Aus der Wissenschaft: Fehlende Anerkennung macht krank

Seit 1994 haben sich die Krankschreibungen von Arbeitnehmern aus psychischen Gründen mehr als verdoppelt. Zu diesem Ergebnis kommt das Wissenschaftliche Institut der AOK (Wido). Ausgewertet wurden die Krankheitsdaten von rund 10 Millionen erwerbstätigen Versicherten. Alleine im vergangenen Jahr verursachten seelische Störungen 9,3 Prozent aller Fehltage. Einen Hauptgrund sieht das Wido in der fehlenden Anerkennung durch Vorgesetzte. 54 Prozent der Befragten gaben an, selten oder sogar nie von ihren Chefs gelobt zu werden. Dabei lohnen sich die positive Worte: Laut Wido haben Mitarbeiter, die von ihren Führungskräften gut informiert werden und Anerkennung erfahren, weniger gesundheitliche Beschwerden und identifizieren sich häufiger mit ihrem Unternehmen. "Doch viele Chefs verhalten sich nicht entsprechend“, so Wido-Geschäftsführer Helmut Schröder
41,5 Prozent der Befragten gaben zudem an, dass Vorgesetzte ihre Meinung bei wichtigen Entscheidungen nicht beachten. Gleichzeitig ist mehr als ein Drittel (35,5 Prozent) überzeugt, dass die gesundheitliche Situation am Arbeitsplatz durch mehr Einsatz des Vorgesetzten für die Mitarbeiter verbessert werden kann.

Expert Debriefing als Form der Anerkennung
Für Wissensarbeiter ist die Anerkennung durch Führungskräfte besonders wichtig. Denn sie müssen sich in der Regel ihre Ziele und Aufgaben selber definieren, da den Vorgesetzten oftmals das erforderliche Wissen und der nötige Einblick in den Arbeitsbereich fehlen. Dabei geht es nicht nur um explizites Lob bei guter Leistung, Anerkennung kann auch in anderer Form vermittelt werden: Zum Beispiel durch ein Expert Debriefing, das nicht als Vorbereitung auf den anstehenden Ruhestand angewandt wird, sondern bereits während des „Arbeitsalltags“ als Expertenreflektion und zur Verbesserung des persönlichen Wissensmanagements.

Cogneon 2.0: Orange Night in Bad Homburg

Am 28. September öffnet die KnowTech unter dem Motto „Unternehmenswissen als Erfolgsfaktor mobilisieren“ in Bad Homburg ihre Türen. Den Programmabschluss des ersten Tages bildet am Abend traditionell der KnowTech-Empfang. Dieses Jahr wird auch danach noch etwas weitergefeiert: Cogneon lädt erstmals zur „Orange Night“ – Gelegenheit für die Wissensmanagement-Community, sich in informellem und entspanntem Rahmen auszutauschen. 
Beginn ist um 21:00 Uhr in die Cocktailbar Louisen Lounge, nur wenige Gehminuten vom Kongresscenter entfernt. Wir freuen uns auf zahlreiche Gäste - auch wenn die „Orange Night“ keine offizielle KnowTech-Veranstaltung ist! Der Eintritt ist natürlich frei. Da die Zahl der Plätze aber begrenzt ist, bitten wir um Anmeldung bei Amiando.

Do it yourself: FreeMind

Unser Gehirn bildet ständig neue Assoziationen und Strukturen, es springt hin und her zwischen Schlüsselwörtern und Gedankengängen. Dieser Funktionsweise des Gehirns angepasst ist das sogenannte Mind-Mapping, eine Notiztechnik, um Informationen zu einem zentralen Thema zu sammeln und zu verbildlichen. Am Ende entsteht so eine Art Gedanken-Landkarte mit zahlreichen Haupt- und Nebenästen, die jederzeit erweitert werden kann. Wer nicht mit Stift und Papier arbeiten möchte, hat die Auswahl zwischen zahlreichen Mind-Mapping-Programmen. Eine Open Source-Alternative zu Werkzeugen wie dem Mind Manager ist die Software FreeMind.  

Mit Hilfe der kostenlosen Software lassen sich farbige Mind-Maps und somit auch persönliche Wissenslandkarten schnell und unkompliziert erstellen. Die fertigen Landkarten können zum Beispiel als HTML- oder PDF-Datei gespeichert werden. FreeMind ist auch mit dem Mind-Mapping App iThougts für das iPad kompatibel: Dateien können im- und exportiert werden. Außerdem gibt es eine portable Version von FreeMind, die auf einem USB-Stick installiert und auch ohne Administrationsrechte genutzt werden kann.

Termine:

Termine der Cogneon Akademie:

  • Seit 29. August laufen die kostenlosen Online-Lektionen für den Cogneon Web 2.0-Führerschein: Einfach auf der Seite der Cogneon Akademie anmelden, einsteigen und mitmachen!
  • Die nächsten Termine für das zweitägige Expert Debriefing Moderatorentraining sind der 21./22.09., der 18./19.10. und der 13./14.12. in Nürnberg.
  • Erste „Orange Night“ am 28.09. ab 21 Uhr auf der KnowTech 2011 in Bad Homburg: Hier geht’s zur kostenlosen Online-Anmeldung.
  • Am 10.10. und 08.11. gibt es jeweils die Möglichkeit, den Web-2.0-Führerschein in Nürnberg in einer eintägigen Veranstaltung abzulegen.

Weitere Termine: