Handbuch Wissensmanagement

Hinweis: das Cogneon Handbuch Wissensmanagement befindet sich kontinuierlich in der Entwicklung (perpetual Beta) und dient dazu unsere Sicht auf Wissensmanagement, das „Wissensmanagement der Erlanger Schule“, zu beschreiben.

Was ist Wissen?

In der Allgemeinsprache gibt es eine Vielzahl von Aussagen über Wissen: „Wissen ist Macht“,  „Wir wissen mehr, als wir sagen können“, „Wir sagen mehr als wir aufschreiben können!“. In der Wissensmanagement-Praxis sind meist sowohl das theoretische Wissen (Kennen), als auch das praktische Wissen (Können, Fähigkeiten) von Belang. Zu Beginn einer jeden Reise durch das Wissensmanagement sollte man für sich selber eine Definition des Begriffs finden.

Definition: Wissen (nach Platon und Senge)
Wissen ist gerechtfertigte, wahre Meinung (deklaratives Wissen, know-that). Wissen ist die Befähigung zum effektiven Handeln (prozedurales Wissen, know-how).

Bei Wissen können grundsätzlich drei Formen unterschieden werden:

  1. Implizites Wissen: implizites Wissen (auch „stilles Wissen) ist dem Wissensträger weitgehend unbewusst und damit nicht bzw. nur indirekt durch spezielle Beobachtungs- oder Fragetechniken erfass- und in weiterer Folge artikulierbar.
  2. Explizites Wissen: Wissen, das dem Wissensträger bewusst ist. Es ist verbalisierbar, d.h. es kann in Sprache oder Schrift mitgeteilt werden.
  3. Dokumentiertes Wissen: dokumentiertes Wissen ist Wissen, das in Form von Inhalten (z.B. Text, Bild, Audio, Video) beschrieben bzw. repräsentiert ist.

Was ist Wissensmanagement?

Wissensmanagement ist ein Weg, die Disziplin Management mit den Randbedingungen des 21. Jahrhunderts neu zu denken und dabei den Faktoren Lernen, Wissen und Innovation genügend Aufmerksamkeit zu schenken. Die Management-Funktion umfasst dabei die Strategie-/Zielsetzung.

Definition: Wissensmanagement
Wissensmanagement ist die Führung, Gestaltung und Entwicklung von Lernenden Organisationen.

Die Idee des Wissensmanagements kann auf verschiedene Bereiche angewendet werden:

  • Persönliches Wissensmanagement befasst sich mit der wissensorientierten Gestaltung des eigenen Lebens und hat das Lebenslange Lernen als Ideal
  • Organisationales Wissensmanagement befasst sich mit der wissensorientierten Führung, Gestaltung und Entwicklung von Organisationen wie z.B. Unternehmen, Institutionen, öffentlichen Verwaltungen und Hochschulen.
  • Regionales bzw. Urbanes Wissensmanagement befasst sich mit der Führung, Gestaltung und Entwicklung von Wissensstädten bzw. Lernenden Regionen.
  • Nationales Wissensmanagement befasst sich mit der Führung, Gestaltung und Entwicklung ganzer Länder und Nationen.

In allen Bereichen kann prinzipiell noch zwischen strategischem und operativem Wissensmanagement unterschieden werden.

Was ist eine Lernende Organisation?

Im Industriezeithalter hat man Organisationen meist wie Maschinen mit den Mitarbeitern als „Rädchen im Getriebe“ gedacht. Für die Wissensgesellschaft müssen Organisationen eher als Organismen und komplexe Systeme mit Bedürfnissen, Ideen und Kreativität gedacht werden. Nur so kann eine Organisation die Lernfähigkeit entwickeln, die für das Überleben heutzutage notwendig ist.

Definition: Lernende Organisation (Nach Garvin)
Eine Lernende Organisation ist eine Organisation mit der Fähigkeit, Wissen zu entwickeln, zu erwerben und zu (ver-)teilen sowie ihr Verhalten auf Basis neuen Wissens und neuer Einsichten zu verändern.

Die sieben Todsünden im Wissensmanagement

Nach Ursula Schneider (2003) lassen sich folgende sieben "Todsünden" im Wissensmanagement benennen, die es im eigenen Ansatz zu vermeiden gilt:

  1. Fehlende Auseinandersetzung mit dem Wissensbegriff und damit mit der wesentlichen Frage, welches Wissen für die Unternehmung besonders relevant ist.
  2. Gleichsetzung von Menschen mit Computern, Missachtung der Ergebnisse von Lerntheorien, Kommunikations- und Motivationstheorien, resp. Theorien der emotionalen Intelligenz.
  3. Taylorismus für Wissensarbeiter, die Prinzipien der Industriegesellschaft werden unreflektiert auf Wissensarbeit übertragen.
  4. Delegation von Wissensmanagement. Wissensmanagement- als ein schlecht definiertes zusätzliches Betätigungsfeld will man zwar haben, aber möglichst ohne selbst Energie zu investieren. Daher wird gerne delegiert (z.B. an Berater, an ausgewählte Funktionsbereiche, meist IT, manchmal HR).
  5. Beitrag zum "Information Overkill". Durch fehlende Netiquette und fehlenden Fokus spürt der Wissensarbeiter eher Be- statt Entlastung.
  6. Reduktion des Controlling-Zyklus auf die Messfunktion. Es wird übersehen, dass viele Maße rückwärtsgerichtet sind, Einzelmaße keine vernetzten Wirkzusammenhänge abbilden können und die Kosten für eine Messung häufig deren Nutzen überragt.
  7. Technische Systemgestaltung mit sozio-kultureller „Nachsorge“. Wissensmanagementsysteme werden gebaut, um das idealisierte Phasenmodell kalkulierbarer Entscheidungen zu unterstützen, das ein Gutteil der betriebswirtschaftlichen Theorien vertritt.

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