WM 2009 in Solothurn/Schweiz - Retrospektive

Bild von simon.dueckert

Die WM 2009 in Solothurn ist zu Ende gegangen und war meiner Meinung nach eine sehr gelungene Veranstaltung. Trotz Wirtschaftskrise waren über 150 Teilnehmer anwesend und es gab viel anregende Diskussionen und Wissensaustausch. Leider blieb mir zwischen all den Gesprächen überhaupt keine Zeit, mich ein bisschen in Solothurn umzusehen. Einige Gedanken und Erkenntnisse zur Nachbetrachtung:

  1. Schockiert war ich zu hören, dass Prof. Ursula Schneider Anfang des Jahres verstorben ist. Das Wissensmanagement hat mit ihr eine sehr kompetente und vor allem sehr sympatische Mitstreiterin verloren. Hier der Link zum Kondolenzbuch.
  2. Dass das Thema "Persönliches Wissensmanagement" mehr in den Mittelpunkt rückt ist gut. Zum einen, weil Wissensmanagement-Ansätze, die dem Einzelnen schnelle einen Vorteil bringen, erfolgsversprechend sind (so funktioniert auch das Web 2.0 und nicht, wie viele annehmen, durch Altruismus). Zum anderen weil wir als Disziplin nicht immer sagen können, dass der Mensch im Mittelpunkt steht, dort aber nie ansetzen. Leider ging es in dem PKM-Workshop haupsächlich um EDV-Ansätze (Ontologien, Personal Semantic Desktop etc.), Themen wie wissensorientierte Lebensführung, persönliche Wissensstrategie, Lebenslanges Lernen etc. kamen nicht vor. 
  3. Im PKM-Workshop hat mir eines besonders gut gefallen, dass die Teilnehmer sich am Anfang in Zweiergruppen zwei Minuten unterhalten und dann den Gesprächspartner den anderen Teilnehmern (ca. 50) vorstellen mussten. Das kostet zwar etwas Zeit, führt aber zu einer sehr persönlichen Atmosphere (Mein Dank an die PKM-Workshop-Organisatoren!).
  4. Die begonnene Arbeit der GfWM, gemeinsam mit Plattform Wissensmanagement, Swiss Knowledge Management Forum, AK Wissensbilanz, BITKOM AK KEM und Wissensmanagement Forum Graz ein frei verfügbares Wissensmanagement Glossar zu erstellen macht viel Spaß und hat auf der Konferenz für angeregte Diskussion gesorgt. Wir sollten dafür sorgen, dass zwischen den deutschsprachigen WM-Communities in jedem Jahr mindestens ein gemeinsames Projekt läuft. Eine nächste Idee steht schon im Raum: die Erarbeitung eines gemeinsamen Wissensmanagement-Vorgehensmodells.
  5. Der Beitrag von GfWM, PWM und SKMF in Form einer sog. Fishbowl-Diskussion (innerer und äußerer Stuhlkreis, Diskussionsteilnehmer wechseln) ist gefühlsmäßig gut angekommen. Wir sollten generell auf Wissensmanagement-Veranstaltungen dafür sorgen, dass wir nicht nur Monolog-Formate, sondern vermehrt dialogorientierte Formate verwenden. An dieser Stelle kann z.B. das Knowledgeboard-Buch ... für Anregungen sorgen. Für mich das absolute Highlight in diese Richtung war die WikiSym 2008 in Portugal, eine perfekte Kombination aus Unkonferenz und Konferenz.
  6. Mein Eindruck verfestigt sich, dass sich ähnlich wie in den USA die Szenen "Knowledge Management" und "Social Media" eher voneinander entfernen, statt enger zusammen zu wachsen.
  7. Sowohl das Conference-Dinner im Hotel Krone als auch die Poster-Session mit Aperitiv waren durch die angenehme Umgebung sehr gelungen. Infrastruktur und Architektur sind extrem wichtig, um ein "wissensfreundliches Umfeld" zu schaffen.
  8. Markus Junginger von Festo hat in seinem Vortrag erklärt, warum jetzt in Krisenzeiten die Videokonferenzen (mit SharePoint-Unterstützung) so gut funktionieren: weil es vor der Krise Usus war, sich persönlich zu treffen. Das deckt sich mit unseren Erfahrung bei der Einführung/Kultivierung von Wissensgemeinschaften und der Begleitung von Wikis: zurerst persönliches Kennenlernen, um Vertrauen und Beziehungen aufzubauen und dann klappt es auch problemlos im Virtuellen. Umgekehrt geht es meistens leider gar nicht.
  9. An dem Vortrag von Alexander Katzung von Airbus fand ich interessant, dass die Wissensmanagement-Abteilung dort in den letzten Jahren zu ganz ähnlichen Erkenntnissen gekommen ist, wie wir. Die Methode ExTra bei Airbus hat sehr viele Ähnlichkeiten mit unserem Expert Debriefing, die Methode RISE entsprechend mit unserem Project Debriefing. Ein paar zusätzliche Ideen hätten wir noch :-)

Als letztes noch der Hinweis, dass die WM 2011 auch wieder im Zeitraum Ende März/Anfang April  (genauer Termin steht noch nicht fest) in Innsbruck stattfinden wird. Wer über die Kommentare oben hinaus noch eigenen Gedanken zu der Veranstaltung ergänzen möchte, kann dies in den Kommentaren unten gerne tun!