REFA Fachtagung "Wissen managen - Wissensmanagement" - Retrospektive

Bild von simon.dueckert

Am 19.09.2007 habe ich einen Vortrag auf der Fachtagung "Wissen managen - Wissensmanagement" des REFA Branchenorganisation STAHL an der Deutschen Management Akademie Niedersachsen (DMAN) gehalten.

Im folgenden meine Notizen und einige Ideen, wie es weitergehen könnte.

Notizen zu den Vorträgen

  • Simon Dückert (Cogneon GmbH, Gesellschaft für Wissensmanagement e.V.): ich habe zur Einleitung der Veranstaltung unter dem Titel "100 Jahre Wissensmanagement - Wo stehen wir heute?" über die geschichtliche Entwicklung des Themas Wissensmanagement von der griechischen Philosophie über den Taylorismus bis zum Toyotismus gesprochen und das Cogneon Wissensmanagement System vorgestellt, das Modelle für die Ebenen Organisation. Team und Individuum sowie Methoden wie z.B. Wissenslandkarte, Wiki, CoP, Wissensstrategie, Ablagesystematik, Expert Debriefing, Project Debriefing etc. enthält. Hier meine Paper und meine Folien:
  • Dr. Axel Kulgemeyer (SZMF GmbH) berichtete über den Einsatz der Cogneon-Methode Expert Debriefing zur Wissensbewahrung bei ausscheidenden Experten mit 3, 21 und 35 Berufsjahren. Job Maps (Mind Maps, strukturiert nach Arbeitshistorie, Aufgaben und für die Aufgaben benötigtes Wissen) und ein Wiki (zunächst Mediawiki, später Confluence) wird zur Dokumentation verwendet. Innerhalb der Expert Debriefings werden auch Podcasts, z.B. zur Erfassung von Geschichten innerhalb der Arbeitshistorie, erstellt. Zu den Leitsätzen für die Nutzung des Wikis gehört: "Alle machen mit!".
  • Dr. Angelika Mittelmann (voestalpine Stahl GmbH) erzählte von dem Change Prozess nach der Methode K2BE (KM to Business Excellence) mit den Phasen check-in, start-up, line-up, take-off und stopp-over. Als Gestaltungsfelder werden Organisation, Mensch, Technik und die Aufgabe gesehen. Als "Säulen des Wissensmanagements" gelten Personalmanagement, Prozessmanagement und Informationsmanagement. Interessant auch die sog. Partisanen-Methode, bei der man an einem Hot-Spot-Thema in der Organisation ansetzt, das mit Wissensmanagement-Methoden unterstützt werden kann und die Ergebnisse dann auf informellen Kanälen vermarktet. Witziges Detail: die Wissenstreppe von Prof. North wurde in der Lehrlingswerkstatt als kleines Modell für alle Beteiligten angefertigt. Zitat: "Die Einführung von Wissensmanagement ist ein mehrjähriger Prozess".
  • Hans-Georg Schnauffer (ThyssenKrupp AG) sprach über den "genetischen Code einer entwickelten Organisation" und die Parallelen zum Konzept der Lernenden Organisation. Als Gestaltungsfelder des WM werden Mensch, Organisation, Technik und Inhalte angesehen, ein "Integriertes Wissensmanagement" (Strategie, Wissensziele, Organisation, Prozesse, Tools, Infrastruktur) wird angestrebt. Interessant fand ich zwei Dinge. Zum einen den Morphologischen Kasten des Wissensmanagements, mit dem einzelne Rollen gestaltet werden können. Zum anderen das Rollen-Modell unterschieden nach Leuten, die IM und AM System arbeiten (WM-Stratege, WM-Sponsor, WM-Architekt, Wissensstratege und Wissenspromotor). Das betont den Aspekt, dass Manager Wissensmanager und Arbeiter Wissensarbeiter sind. Zitat: im Wissensmanagement geht es darum "vom Zufall zur Methode" zu kommen.
  • Joachim Grübner (IFAS GmbH) sprach über die Methode WissensBilanz, allerdings ein anderer Ansatz, als die Wissensbilanz made in Germany. Bei der vorgestellten Methode wird die Lernzeit als Messgröße für das Wissen verwendet. Ich frage mich, ob das nicht zu eindimensional ist?
  • Wolfgang Plate (Arcelor Mittal GmbH) stellte einen Kompetenzmanagement-Ansatz mit SAP-HR/R3 Unterstützung vor. Auf Basis eines standardisierten Qualifikationskatalog werden Profile für Stellen, Planstellen und Mitarbeiter erstellt. Diese Profile werden in den jährlichen Mitarbeiter-Vorgesetzten-Gesprächen als Diskussionsgrundlage verwendet. Bei den Profilen wird zwischen Aufgaben und dafür benötigtem Wissen unterschieden, eine Trennung, die sich auch bei der Erstellung von Job Maps als sinnvoll herausgestellt hat.
  • Grit Terhoeven (SZST GmbH) hat die Methode TransferWerk vorgestellt, die auf der Cogneon-Methode Expert Debriefing aufbaut. Das TransWerk dient dem Erhalt von Erfahrungen und Fachwissen bei Ausscheiden oder Wechsel von Fach- oder Führungskräften und wird in 7 Schritten durchgeführt (Klärung der Rahmenbedingungen, Vorbereitung von Wissensträger und Wissensempfänger, Erstellung einer Job Map, Auswahl geeigneter Transfermaßnahmen, 360-Grad-Abstimmung des Transferplans mit allen Beteiligten, Begleiteter Wissenstransfer, Dokumentation und Projektabschluss). Der Projektabschluss wird auch dafür genutzt, die "Wissensmanagement-Botschaft" im Unternehmen zu verbreiten. Bisher wurden 12-13 TransferWerke durchgeführt. Die Rolle des TransferWerkers wird meist mit Leuten aus der Personalabteilung besetzt, die Grundlagen WM sowie Fragetechniken beherrschen und in der Lage sind, Gesprochenes kurz und prägnant zu dokumentieren.
  • Darius Ashraf (Rasselstein GmbH) hat sprach über die Anwendung der WM-Methode Wiki (IT-Anwendung: TWiki) in einer Personalabteilung. Das Wiki ist gemäß des Personalprozess strukturiert und ersetzt papierbasierte Personalhandbücher, deren Pflege sich als zu aufwändig herausgestellt hat. Der Betriebsrat hat Zugriff auf das Wiki. Zu den Leitsätzen gehört "Jeder ist Konsument UND Produzent!". Zitat: "Wissen muss in einen Topf!".

Ideen für ein weiteres Vorgehen

Prinzipiell kann man auf die 2-tägige Fachtagung zwei Sichten haben. Entweder man sieht das als einen einmaligen Event und jeder geht jetzt mit dem dort generierten Wissen seine Wege. Die zweite Sicht ist, die Veranstaltung als den Auftakt einer Community of Practice zu sehen, die auch in Zukunft gemeinsam über das Thema "Wissensmanagement in der Stahl-Branche" lernen möchte. Für den Fall, dass Ihnen die zweite Sicht sinnvoller erscheint, möchte ich Ihnen gerne folgende Schritte vorschlagen:

  1. Senden Sie einfach bis 28.09.2007 eine leere E-Mail an wm-stahl-subscribe@googlegroups.com und werden Sie damit Mitglied einer Mailingliste zum Thema "Wissensmanagement in der Stahl-Branche".
  2. Lassen Sie uns in Zukunft das WM-Stahl-Wiki zur Sammlung von interessanten Informationen rund um das Thema verwenden, das ich auf der kostenlosen Plattform Wikispaces eingerichtet habe. Ich habe schon einmal einige initialen Inhalte zu den ersten Schritten im Wiki, die Literaturliste zu meinem Vortrag sowie die Wissensmanagement-Definitionen, die wir gemeinsam erarbeitet haben, eingestellt. Nutzern diese Chance auch, um Wiki-Erfahrungen für Ihre Organisationen zu sammeln.

Was mit Mailing-Liste und Wiki weiterhin geschieht, liegt bei Ihnen: Sie Sind die Community! Sie sind das Wiki! :-)