Was macht einen Experten aus? (Newsletter 08/2011)
Editorial
Liebe Leser,
laut Wikipedia sind Experten Personen, die über überdurchschnittliches Wissen auf einem Fachgebiet verfügen. Doch wie wird man zum Experten? Ist das Können angeboren, wie es der Mythos vom Genie vermittelt? Oder steckt harte Arbeit dahinter? Das Thema Experten ist ein Schwerpunkt unseres neuen Newsletters. Außerdem: Ein neues Fachbuch, das praxiserprobte Wissensmanagementmethoden vorstellt. Und Pecha Kucha, die etwas andere Art Vorträge zu halten.
Noch eine Neuerung halten wir für Sie bereit: ab sofort können Sie bei jedem unserer Newsletter in der Online-Version Kommentare hinzufügen. Öffnen Sie dazu einfach den Newsletter auf cogneon.de und navigieren Sie ganz nach unten. Dort können Sie einen Kommentar zu einem Newsletter-Beitrag, Links, Ideen etc. eintragen. Zum Eintragen des Kommentars können Sie Ihren Namen und Ihre E-Mail angeben (Gast) oder sich alternativ mit Twitter-, Facebook- oder anderen bestehenden Konten anmelden. Gerne nehmen wir auf diesem Wege auch Lob, Kritik und Anregungen entgegen.
WICHTIG für alle KnowTech-Besucher: am 1. Abend der KnowTech (28.09.2011) bieten wir eine kleine Community-Party, die Orange Night", in einer Cocktail-Bar nahe der KnowTech an. Kostenlose Online-Anmeldung und Informationen stehen bereit.
Am bequemsten lesen Sie unsere Newsletter wie immer online.
Viel Spaß beim Lesen!
Ihr Simon Dückert
Inhalt:
- Simon Dückert unterwegs: Expertenorganisation oder Community of Practice?
- Aus der Praxis: Neuer Werkzeugkasten für das Wissensmanagement
- Aus der Wissenschaft: Was macht einen Experten aus?
- Cogneon 2.0: Web 2.0-Führerschein als kostenloses Online-Modul
- Do it yourself: Pecha Kucha statt „Death by Powerpoint“
- Termine: Cogneon auf der KnowTech
Simon Dückert unterwegs: Expertenorganisation oder Community of Practice?
Am 30. Juni feierte wurde der erste Cogneon Knowlegde Jam im Zukunftszentrum Wissensmanagement durchgeführt. In unserer neuen Nürnberger Niederlassung konnten wir Vertreter von Adidas, Siemens, Bosch, Johnson Controls, Elektrobit Automotive sowie der Fernuniversität Hagen und der FIR an der RWTH Hagen begrüßen. Das Thema des Knowledge Jams: Expertenorganisation vs. Communities of Practice (CoP). Wo liegen die Erfolgsfaktoren der beiden Ansätze? Wo die Barrieren? Und wie lassen sich Megatrends wie Wissensarbeit mit dem Konzept „Expertenorganisation“ zusammenbringen? Fragen wie diese standen im Mittelpunkt des Knowlegde Jams.
Die konkreten Inhalte für die einzelnen Sessions waren in bester Barcamp-Manier schnell gefunden. Unter anderem ging es um die Entwicklung von der face-to-face-Expertenorganisation zur virtuellen Community, um die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Open Source-Communitys, um den Aufbau von firmeninternen R&D-Communitys oder den Einsatz von Social Media in der Ausbildung. Vor der abschließenden Feedback-Runde stand dann in der letzten Session noch ein Update der Community-of-Practice-Wissenslandkarte auf dem Programm, die wir 2007 erstellt hatten und die die Zusammenhänge im Bereich CoP grafisch darstellt. Relevante Gebiete sind hierbei zum Beispiel die verschiedenen CoP-Rollen, die eingesetzten Tools oder die Do's and Dont’s.
Aus der Praxis: Neuer Werkzeugkasten für das Wissensmanagement
Professioneller Umgang mit Wissen ist für Unternehmen unverzichtbar. Viele haben das Potenzial und die Notwendigkeit eines gezielten Wissensmanagement inzwischen erkannt. Doch auch wenn das Wissensmanagement einen festen Platz im Unternehmen hat, stellt die Wahl der geeigneten Werkzeuge die Verantwortlichen oft vor Probleme. Eine echte Hilfestellung bietet jetzt das neue Buch von Angelika Mittelmann, die sich seit mehr als einem Jahrzehnt mit dem Thema Wissensmanagement beschäftigt. Der „Werkzeugkasten Wissensmanagement“ liefert genau das, was der Titel verspricht: 60 Methoden, die sich in der Praxis bereits bewährt haben, werden verständlich und praxisnah vorgestellt, so dass sie unmittelbar angewandt werden können - etwas Erfahrung im Wissensmanagement vorausgesetzt. Zu den vorgestellten Methoden gehören zum Beispiel Expert Debriefing, Lerntagebücher, Mikroartikel, e-Portfolio, wissensorientiertes Mitarbeitergespräch, Lessons Learned, Lerntag, Wissensnetzwerk und die Wissensbilanz.
Für Orientierung sorgt ein für das Buch entwickeltes Ordnungssystem, das sich an neun Entitäten ausrichtet, die den semantischen Raum des Wissensmanagements bestimmen: Wissensträger, Organisationen, Prozesse, Kompetenzen, Beziehungen, Wissensgebiete, Kategorien, Wissensobjekte, Orte.
Vertreten ist auch Cogneon: wir haben ein Vorwort und einen Gastbeitrag beigesteuert. Zu Wort kommt außerdem WM-Vordenker Prof. Klaus North. Neugierig geworden? Dann lesen Sie doch mal rein: den Lessons Learned Prozess gibt es als Leseprobe.
Aus der Wissenschaft: Was macht einen Experten aus?
Das Wissen von Experten zu bewahren und weiterzugeben, ist eine der Kernaufgaben des Wissensmanagements. Eine der bewährten Methoden ist dabei das Expert Debriefing. Um die Übertragung des Wissens möglichst optimal gestalten zu können, ist es wichtig, das Verhältnis von Laien und Experten, die Kommunikation zwischen beiden Gruppen sowie die Entwicklung von Expertentum zu verstehen. Antworten gibt die Expertiseforschung, eine noch recht junge Disziplin der Psychologie, die sich mit Bedingungen und Ursachen von herausragenden menschlichen Leistungen beschäftigt.
Am Anfang steht die Unterscheidung zwischen Experten und Laien, für die wissenschaftliche Definitionen vorliegen. Zum Beispiel die Einteilung nach Kompetenzleveln von Karl Wiig, einem der Urväter des Wissensmanagements. Er unterscheidet auf dem Weg vom Laien zum Experten acht Stufen:
- Ignorant: totally unaware
- Beginner: vaguely aware
- Advanced beginner: aware
- Competent: narrowly skilled
- Proficient: knowledgeable in some areas
- Expert: highly proficient in a particular area
- Master: highly expert in many areas
- Grand Master: world-class expert in all areas of domain
Doch wie wird man zum Experten? Damit beschäftigt sich K. Anders Ericsson, einer der wichtigsten Vertreter der Expertiseforschung, in seinem Aufsatz "The making of an expert". Eine der Kernaussagen: Nicht das Talent ist entscheidend, sondern Übung über lange Jahre. Denn: „Es braucht Zeit, um Experte zu werden.“ Und zwar nach Ericsson mindestens 10 Jahre oder 10.000 Stunden. Außerdem sollte man möglichst früh ein gezieltes, systematisches Training beginnen mit dem Ziel, sich stetig zu verbessern. Abkürzungen gibt es nicht: Um Experte zu werden, muss man laut Ericsson Opfer bringen, kämpfen und sich selbst ehrlich beurteilen. Außerdem sollte man sich Trainer und Mentoren suchen. Sie können den Lernprozess beschleunigen und wertvolles Feedback geben.
Wer Expertenwissen beurteilen möchte, sollte laut Ericsson auf folgende Dinge achten:
- Auf einzelne Aussagen über Expertenwissen sollte man sich nicht verlassen. Denn Anekdoten oder selektive Erinnerungen können in die Irre führen.
- Von vielen Leuten wird fälschlicherweise angenommen, dass sie Experten sind. Doch echte Expertise muss sich durch messbare und beständige Höchstleistung belegen lassen.
- Verabschieden Sie sich von der Idee, dass Sie Ihre Leistung verbessern, indem Sie Ihrer Intuition vertrauen. Um die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen zu verbessern, ist gezieltes Lernen und Analyse nötig.
- Neue und bessere Methoden verbessern nicht automatisch die Leistung.
- Wissensmanagementsysteme können echtes Expertenwissen, das man sich erarbeiten muss, nicht ersetzen.
Quelle: K. Anders Ericsson: "The making of an expert" zum Nachlesen.
Cogneon 2.0: Web 2.0-Führerschein als kostenloses Online-Modul
Die Session "Innovate Cogneon – Was lernen wir aus 10 Jahren KM?" auf dem KnowledgeCamp 2010 der Gesellschaft für Wissensmanagement war einer der ersten Meilensteine unseres Open-Innovation-Projektes Cogneon 2.0. Ziel des Projektes, das wir am 21. Dezember 2010 gestartet haben und das ein Jahr läuft, ist es, unser Geschäftsmodell für das zweite Jahrzehnt unseres Unternehmens zu definieren. Inzwischen hat sich einiges getan: Während das erste Halbjahr von offener Ideenfindung geprägt war, gehört das zweite Halbjahr der detaillierten Planung. Beim kommenden GfWM KnowledgeCamp am 16. und 17. September in Potsdam werden wir den Stand des Projekts präsentieren.
Aus dem Planungsstadium heraus sind wir bereits bei der Cogneon Akademie. Sie öffnet nach und nach ihre Türen: Die ersten Präsenzkurse für Expert Debriefing-Moderatoren sowie zum Web 2.0-Führerschein laufen bereits.
Ab 29. August bieten wir eine neue Version unseres Web 2.0-Führerscheins: Jeder Teilnehmer bestimmt selber, wie intensiv er lernen will und wann. Jedes Modul startet mit einem maximal zehnminütigen Video zur Einstimmung. Zur Vertiefung empfehlen wir Ihnen dann ausgewählte Links: Wo und wie tief Sie einsteigen, entscheiden Sie selbst. Das Seminar ist in sechs Lektionen aufgeteilt, die Sie im Wochentakt abrufen können. Die Themen: Soziale Medien, Soziale Netzwerke, Wikis, Weblogs, Microblogs, RSS. Teilnehmen kann jeder und zwar kostenlosauf den Seiten der Cogneon Akademie.
Die praktische Umsetzung des Gelernten können Sie dann auf dem AKWM-Symposium üben: Am 13. September bieten wir auf dem 9. Karlsruher Symposium für Wissensmanagement einen anderthalbstündigen Praxisworkshop zum Web 2.0-Führerschein.
Do it yourself: Pecha Kucha statt „Death by Powerpoint“
Wie schaffe ich es, meinen Vortrag so interessant gestalten, dass die Zuhörer dabei bleiben und nicht in Gedanken längst woanders sind? Diese Frage stellt sich jeder, der vor Publikum sprechen muss. Eine Möglichkeit, langatmige und für die Zuhörer ermüdende Vorträge zu vermeiden, bietet die Vortragstechnik mit dem ungewöhnlichen Namen Pecha Kucha. Erfunden wurde die Technik von zwei Architekten in Tokio, sie gaben ihr den Namen Pecha Kucha, das auf Japanisch Stimmengewirr bedeutet. Dahinter versteckt sich eine Vortragsmethode, die mit Bildern arbeitet und zeitlich strikt gegliedert ist.
Dabei gilt eine Regel: Sie können über alles reden, nur nicht über 6 Minuten 40. Denn gezeigt werden genau 20 Bilder, die zum Vortragsthema passen, und jedes Bild wird genau 20 Sekunden projiziert. Die Weiterleitung der Bilder erfolgt automatisch, der Referent ist daran gebunden. Ziel ist es, komplexe Themen in kurzer Zeit und vor allem prägnant zu vermitteln. Durch die Geschwindigkeit bleibt es spannend und die Zuhörer bekommen im 20-Sekunden-Takt neue Impulse. Inzwischen gibt es in hunderten von Städten weltweit Pecha Kucha-Abende, mit gehaltvollen, aber auch skurrilen Themen.
Wer wissen möchte, wie Pecha Kucha „live“ aussieht, kann sich den Vortrag von Bernd Erk (Netways GmbH) ansehen, den er anlässlich des Medical Valley Talks im April im Erlanger IZMP gehalten hat.
Termine:
Termine der Cogneon Akademie:
- Am 29.08. starten die Online-Lektionen für den Cogneon Web 2.0-Führerschein: Anmeldung auf den Seiten der Cogneon Akademie.
- Die nächsten möglichen Termine für das 2-tägige Expert Debriefing Moderatorentraining sind: 21./22.09., 18./19.10. und 13./14.12. in Nürnberg.
- 28.09. aud der KnowTech 2011, die erste Orange Night öffnet ihre Pforten. Kostenlose Online-Anmeldung steht bereit.
- Am 10.10. und 08.11. gibt es jeweils einen 1-tägigen Web-2.0-Führerschein in Nürnberg.
Weitere Termine:
- 01. - 02.09.2011: 12. European Conference on Knowledge Management in Passau
- 24. - 28.09.2011: European Conference on Computer-Supported Cooperative Work 2011, Aarhus, Dänemark
- 07. - 09.09.2011: 11th International Conference on Knowledge Management and Knowledge Technologies (I-Know), Graz (hier ist Cogneon mit einem Vortrag mit Schaeffler vertreten)
- 06. und 10.09.2011: Corporate Learning Camp in Darmstadt
- 12. - 14.09.2011: 8. International Conference on Knowledge Management, Amman (Jordanien)
- 16. - 17.09.2011: 3. GfWM KnowledgeCamp in Potsdam
- 21. und 22.09.2011: Expert Debriefing Moderatorenschulung im Cogneon Zukunftszentrum Wissensmanagement in Nürnberg
- 28. - 29.09.2011: 13. KnowTech in Bad Homburg (hier ist Cogneon mit zwei Vorträgen mit adidas und Schaeffler/Diehl vertreten)
- 03. - 05.10.2011: WikiSym 2011 in Mountain View, California, USA (Silicon Valley)
- 10.10.2011: Web 2.0 Führerschein, Cogneon Zukunftszentrum Wissensmanagement in Nürnberg
- 13.10.2011: 9. Karlsruher Symposium für Wissensmanagement.
- 18. und 19.10.2011: Expert Debriefing Moderatorenschulung, Cogneon Zukunftszentrum Wissensmanagement in Nürnberg
- 08.11.2011: Web 2.0 Führerschein, Cogneon Zukunftszentrum Wissensmanagement in Nürnberg
- 14. - 17.11.2011: Knowledge City Summit in Holon, Israel (hier ist Cogneon mit zwei Vorträgen mit dem Medical Valley vertreten)
- 06. und 07.12.2011: Expert Debriefing Moderatorenschulung, Cogneon Zukunftszentrum Wissensmanagement in Nürnberg
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