COGNEON Newsletter 11/2010

Editorial

Liebe Leser,

hiermit erhalten Sie die aktuelle Ausgabe unseres Newsletters. Am bequemsten lesen Sie unsere Newsletter online.

In den vergangenen Monaten ist es etwas still um den Cogneon Newsletter geworden. Aber wir haben die Zeit genutzt, um unseren Newsletter aufzufrischen: mit festen Rubriken, persönlichen Eindrücken und Do it yourself-Anregungen für Ihr persönliches Wissensmanagement.

Außerdem sind wir neugierig: Welche Aspekte aus dem Wissensmanagement interessieren Sie besonders? Wie kann unser Newsletter Sie in Ihrer täglichen Arbeit am besten unterstützen? Wir würden uns freuen, wenn Sie ein paar Minuten Zeit hätten für eine kurze Umfrage.

Viel Spaß beim Lesen!
Ihr Cogneon-Team

 

Inhalt:

  • Simon Dückert unterwegs: Enterprise 2.0 Summit
  • Aus der Praxis: Wissensstädte und der MAKCI-Award
  • Aus der Praxis: Eindrücke von der KnowTech 2010
  • Aus der Wissenschaft: Wissen ist Vermögen
  • Cogneon 2.0: Neues Geschäftsmodell als Open Innovation Projekt
  • Do it yourself: Die "Getting Things Done"-Methode
  • Termine: 6. Konferenz Professionelles Wissensmanagement

Simon Dückert unterwegs: Enterprise 2.0 Summit

Leider konnte ich beim diesjährigen Enterprise 2.0 Summit Ende Oktober in Frankfurt nur einen der beiden Konferenztage besuchen - trotzdem hatte ich Gelegenheit, im Rahmen des Experten-Tracks mehrere Vorträge und Diskussionen zu den Herausforderungen und Erfolgsfaktoren von Enterprise-2.0-Projekten zu hören. Besonders interessant war die Teilnahme an einem Experten-Plenum mit dem Titel "Enterprise 2.0 vs. KM - A Cultural War?". Mein Resümee: In fünf Jahren werden alle Firmen Wikis, Blogs, Social Networks & Co. haben und sich genauso fragen, was sie damit tun sollen, wie das vor einigen Jahren mit Portalen, CMS und Groupware-Systemen war. Um die Disziplin Wissensmanagement mache ich mir an der Stelle gar keine Sorge.

Der europäische Kongress zum Informations- Wissens- und Kollaborationsmanagement stand diesmal unter dem Thema "Setting the Path for an Open and Agile Enterprise". Viele Unternehmen haben inzwischen die Entwicklungspotenziale des Web 2.0 für die eigene Organisation erkannt. So betonte zum Beispiel Juliette Girard von Renault: "Sharing knowledge is the key success factor for our company!"

Doch wie nutzt man diese Potenziale erfolgreich? Im Mittelpunkt des Summits standen Führungs- und Organisationskonzepte, die Erfolgsmessung das Partizipationsmanagement sowie interkulturelle Herausforderungen beim Veränderungsprozess in den Unternehmen. Mehr zu den einzelnen Expert Talks erfahren Sie in meinem Veranstaltungs-Blog.

Aus der Praxis: Wissensstädte und der MAKCI-Award

In den vergangenen Jahren hat regionales und urbanes Wissensmanagement an Bedeutung gewonnen. Seit 2007 gibt es mit dem Knowledge City Summit eine regelmäßige internationale Konferenz zum Thema und mit dem New Club of Paris auch einen Expertenkreis, der das Thema behandelt.

Städte und Regionen, die vorbildlich mit Wissen umgehen, können sich außerdem seit 2007 jährlich für den Most Admired Knowledge City Award (MAKCi) bewerben. Bewertet werden traditionelle und wissensbasierte Ressourcen als Voraussetzung für die Entwicklungsfähigkeit von urbanen Systemen. Ins Leben gerufen hat den Preis das World Capital Institute mit Sitz in Mexiko, ein universitäres Institut das sich als Think Tank für Wissensökonomie und Wissensökologie versteht.

Seitdem der MAKCI ins Leben gerufen wurde, startet Cogneon regelmäßig ein Corporate Social Responsibility-Projekt, um die Metropolregion Nürnberg für den MAKCi zu nominieren. Hierfür identifizieren wir Organisationen und Initiativen in der Metropolregion, die die Transformation in eine Wissensregion unterstützen. In der Bewerbung selbst müssen dann Fragen beantwortet werden wie zum Beispiel: Wie gut ist die Wissensstrategie der Stadt oder wie positioniert sich die Stadt? Auch 2010 sind wir dabei.

Verliehen wird der MAKCi-Award im Rahmen des internationalen Knowledge City Summit 2010, der dieses Jahr in Melbourne stattfindet. Die bisherigen Finalisten waren: Barcelona, Bilbao, Boston, Ottawa, Singapur, Bangalore, Manchester, Montreal, Valencia, Istanbul, Melbourne und Shenzen. Aus Deutschland haben sich neben der Metropolregion Nürnberg bisher die Städte München und Dresden an der Ausschreibung zum MAKCI beteiligt.

Im Rahmen des letzten GfWM-Stammtisches in Frankfurt haben wir unsere Erfahrungen zum regionalen und urbanen Wissensmanagement aus 4 Jahren MAKCi Award vorgestellt: Eine dieser Erkenntnisse ist, dass zahlreiche Methoden aus dem organisationalen Wissensmanagement wie die Wissenskartografie oder die Future Center sich auch auf Wissensstädte übertragen lassen: Präsentation Regionales und urbanes Wissensmanagement.

Von der Verleihung des MAKCi-Awards berichten wir im nächsten Newsletter.

Wer mehr darüber erfahren möchte, wie deutsche Städte mit dem Thema Wissen umgehen, kann sich zum Beispiel in der Wissensbilanz 2009 für die Region Frankfurt/Rhein-Main informieren.

Aus der Praxis: Eindrücke von der KnowTech 2010

Die KnowTech fand in diesem Jahr vergleichsweise früh im September in Bad Homburg statt. Der im letzten Jahr begonnene Ansatz, internationale und Disziplin-übergreifende Redner für die Keynotes zu gewinnen, wurde dieses Jahr fortgeführt. So gehörten die Vorträge von David Gurteen und Eric Händeler, Autor von Die Geschichte der Zukunft, zu den Höhepunkten.

Die bei uns intern im Nachgang am meisten diskutierten Vorträge waren:

  • Auswahl und Einführung einer Enterprise 2.0-Lösung im Lufthansa-Konzern (Lufthansa): für uns besonders interessant, da in mehreren Kontexten aktuell die Software Jive, die bei der Lufthansa für die Plattform "eTeaming" eine Rolle spielt, eingesetzt wird.
  • Leistungsführerschaft mit Collaboration sichern und ausbauen - Erfolgsfaktor bei der Reaktion auf sich verändernde Kunden, Märkte und Technologien (Festo): durchgängiges Konzept für Communities of Practice, unterstützt durch MS SharePoint und Office Communicator
  • Wissensmanagement als integraler Bestandteil der Unternehmensberichterstattung (EnBW, AK Wissensbilanz)
  • "Getting Things Done" by agile Knowledge Worker Teams - ein Einstieg in die Lernende Organisation (Johnson Controls): die Verantwortlichen waren 2007 in der Cogneon Akademie bei einem Scrum-Training. Imposant zu sehen, was sich seitdem dort in dem Thema entwickelt hat.
  • Vom Tagging zu leichtgewichtigen Ontologien - Tag-Thesaurus und soziale, semantische Suche (Siemens): für uns wichtig, da in immer mehr praktischen Projekten die Themen Tagging (Applikations-übergreifend), Metadaten-Repositories und Semantic Web/Triple Store eine Rolle spielen. Siemens gehört hier mit den Aktivitäten im Theseus-Projekt in Deutschland zu den Vorreitern.
  • Mit Communities of Experts zusätzliche Potenziale erschließen - Entwicklung von Communities für Querschnittsthemen (ThyssenKrupp/Cogneon :-) bemerkenswert, dass die ThyssenKrupp Wissensmanagement CoP mit ca. 12 Vertretern auf der KnowTech anwesend war.
  • Web 2.0 @ Deutsche Telekom (Telekom/Detecon): ein sehr ganzheitlicher Ansatz aus Wiki (Firmenwiki und Abteilungs-/Projektwikis), Weblogs (auch vom CEO) und Social Network (auf Basis Semantic Mediawiki)
  • Kollaborative Verwaltung von Vorschriften in der Bundeswehr mit SemanticWiki (Bundeswehr): selbst die Bundeswehr verwaltet mittlerweile Vorschriften und Links zu solchen in einem semantischen Wiki. Das hat uns an den Wirtschaftswochen-Artikel über die US Army mit ihrer Plattform "companycommand" 2004 erinnert.
  • Wissensstandort Deutschland: Innovationstreiber der wissensbasierten Wirtschaft (Fraunhofer IPK)
  • Das Audi wikinet - die Wiki-Methode im Einsatz bei einem Automobilhersteller (Audi/Cogneon :-)

Einige Links zu Vorträgen und Weblogs der KnowTech finden Sie auf der Seite KnowTech 2010 im Wissensmanagement Wiki.

Aus der Wissenschaft: Wissen ist Vermögen

Spätestens mit dem sogenannten Stiglitz-Report, den der amerikanische Nobelpreisträger und ehemalige Chefökonom der Weltbank Joseph Stiglitz gemeinsam mit Amartya Sen und Jean-Paul Fitoussi im vergangenen Jahr vorgelegt hat, ist die Wissensökonomie in der Volkswirtschaftslehre angekommen. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass das Bruttoinlandsprodukt als alleinige Messgröße nicht in der Lage ist, die Wirklichkeit abzubilden. Das BIP misst quantitativ und nicht qualitativ das intellektuelle Kapital, das Human-, Struktur- und Beziehungskapital einer Gesellschaft bleibt dabei außen vor.

Was für Gesellschaften gilt, gilt auch für Unternehmen: Neben bisherigen Steuerungsgrößen wie Gewinnen und Umsätzen müssen auch Faktoren wie Wissenskapital und Wissenszuwachs in Zukunft in der Unternehmensführung identifiziert und als Einfluss- und Erfolgsfaktoren ernst genommen werden. Wissensvermögen ist - bei Weitem nicht nur in wissensbasierten Branchen - erfolgskritisch. Der Stiglitz-Report liefert keine Lösung, aber einen wertvollen Ansatz: Um in Zukunft das Wohlbefinden einer Gesellschaft zusammenfassen zu können, schlagen Stiglitz und Kollegen vor, neue Indikatoren zu suchen - die dann auch das Wissensvermögen berücksichtigen - und das BIP durch ein Satellitensystem zu erweitern.

Lesen Sie den Stiglitz-Report.

Cogneon 2.0: Neues Geschäftsmodell als Open Innovation Projekt

Nach zehn Jahren Cogneon wird es Zeit, unser Geschäftsmodell neu auszurichten - und zwar gemeinsam mit Ihnen: Wir haben die strategische Neuausrichtung zum Open Innovation Projekt gemacht. Zum Beispiel beim 2. GfWM KnowledgeCamp in Passau am 8. und 9. Oktober mit der Session Innovate Cogneon - Was lernen wir aus 10 Jahren Wissensmanagement?.

Wir selbst haben in den letzten 10 Jahren unter anderem Folgendes gelernt:

  • Wissensmanagement hat mindestens genauso viel mit Philosophie zu tun wie mit IT
  • Den richtigen Ort zur Verankerung des Wissensmanagements in Unternehmen gibt es (noch) nicht, es betrifft alle Hierarchieebenen und Funktionen (Personal, IT, Finanz, Recht, Strategie etc.)
  • Wissensmanagement muss sich von der IT emanzipieren
  • Die richtige Balance von strategischem und operativem Wissensmanagement ist entscheidend für den Erfolg

Nachdem bisher vor allem das organisationale Wissensmanagement im Mittelpunkt stand, muss es in Zukunft darum gehen, die Entwicklung hin zur Wissensgesellschaft zu unterstützen: Das Wissensmanagement muss sein Nischendasein hinter sich lassen und zu einer Massenbewegung werden. Um dieser Vision von der "Lernenden Nation" näher zu kommen, braucht es entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen und eine stärkere Betonung des persönlichen Wissensmanagements. Dies soll sich in unserem neuen Geschäftsmodell niederschlagen. In unserem nächsten Newsletter werden wir beschreiben, wie Sie sich an der Gestaltung beteiligen können!

Do it yourself: Die Methode Getting Things Done

Wer kennt das nicht: Man hat 1000 verschieden Aufgaben zu erledigen, im Job, zu Hause, in der Freizeit ... Und irgendwann verliert man den Überblick. Ein funktionierendes System zur Selbstorganisation muss her, zum Beispiel die "Getting Things Done"-Methode (GTD) des Amerikaners David Allen. Das Prinzip: Sie lagern all das, was an ihnen "nagt", aus Ihrem Kopf aus und holen es erst dann wieder hervor, wenn es nötig ist. Input und Output werden produktiv selbst organisiert. Das schafft Platz und Zeit.

Alles was zu erledigen ist, wird aufgeschrieben. Also nicht nur Termine und Arbeitsaufträge, sondern zum Beispiel auch Dinge, die Sie schon immer mal mit jemandem besprechen wollten. Ihr Unterbewusstsein kann dann in Zukunft darauf vertrauen, dass Sie nichts vergessen. Zur GTD-Methode gehören fünf Arbeitsschritte:

  1. Erfassen: Alles Berufliche und Private wird an einer zentralen Stelle gesammelt ("Inbox").
  2. Durcharbeiten: Für alle Sachen, die erledigt werden müssen, werden nun die nächsten Aktionen festgelegt und festgehalten, wieviel Zeit die Erledigung ungefähr in Anspruch nehmen wird ("Processing").
  3. Organisieren: Die Aktionen werden in To-Do-Listen und einem Wiedervorlage-System erfasst
  4. Durchsehen: Die Listen werden mindestens wöchentlich durchgesehen und aktualisiert ("Review").
  5. Erledigen: Dinge entsprechend den Listen erledigen bzw. alles, was sich innerhalb von zwei Minuten gleich erledigen lässt, sofort umsetzen.

Erfolgreich eingesetzt wird die GTD-Methode schon lange. Francis Heylighen und Clément Vidal Forscher an der Freien Universität Brüssel haben inzwischen auch aufgezeigt, warum David Allens Methode so gut funktioniert. Die erste wissenschaftliche Arbeit zu GTD kommt zu dem Ergebnis, dass die Methode entscheidende Voraussetzungen mitbringt, die ein Selbstmanagementsystem heute erfüllen muss:

  • GTD ist flexibel genug, um Pläne z.B. an Prioritäten und Ressourcen, die sich zwischenzeitlich ändern, anzupassen (GTD ist auf persönlicher Ebene, was Scrum auf Team-Ebene ist)
  • Die Umwelt wird einbezogen (z.B. nötige Ortswechsel zwischen verschiedenen Aufgaben die Zeit kosten)
  • GTD liefert uns nächste Schritte und stellt sicher dass wir nichts vergessen.

Literatur und Weblinks:

Allen, D., 2002. Getting Things Done. The Art of Stress-Free Productivity Reprint., Penguin (Non-Classics).

Heylighen, F. & Vidal, C., 2007. Getting Things Done:
The Science behind Stress-Free Productivity. PDF-Download.

Termine

6. Konferenz Professionelles Wissensmanagement: Ende Februar 2011 findet in Innsbruck die wm2011 statt. Bei der 6. Konferenz Professionelles Wissensmanagement wird auch der proWM 2010 – Preis für professionelles Wissensmanagement gemeinsam von der deutschen Gesellschaft für Wissensmanagement, der österreichischen Plattform Wissensmanagement und des schweizerischen Swiss Knowledge Management Forums verliehen. Ausgezeichnet werden Organisationen und Wissensmanagement-Initiativen oder Einzelpersonen, die durch Wissensmanagement den wirtschaftlichen Erfolg gesteigert und ihre Zukunftsfähigkeit gesichert haben.

Ins Rennen um den proWM-Preis geht auch die Cogenon Kunden-Community als Beispiel für interorganisationales Wissensmanagement. Die zugrunde liegende Wissensinfrastruktur besteht aus regelmäßigen Kwowledge Jams und dem Cogneon Wiki zum Thema Wissensmanagement, an dem die Community-Mitglieder mitschreiben.

Der proWM-Preis ist Nachfolger des Preises Wissensmanager des Jahres, den 2006 als Preisträger die Volkswagen Coaching GmbH  mit der Wissensstafette, einer Adaption des Cogneon Expert Debriefings, gewonnen hat.

21. – 23. Februar 2011: 6. Konferenz Professionelles Wissensmanagement in Innsbruck.

Weitere Termine: