COGNEON Newsletter 07/2009
Liebe Newsletter-Abonnenten,
auch wenn die ersten Konjunktur-Indikatoren schon wieder nach oben zeigen, ist die Krise in den meisten Unternehmen noch voll im Gange. Das äußert sich durch Umstrukturierung, Kurzarbeit, Reiseverbot, Ressourcen- und Prioritätenverschiebung. Damit wird die Frage nach dem "Return on Invest" (ROI) von Wissensmanagement und das "Was bringt uns das eigentlich?" lauter. Vielen Unternehmenslenkern reicht an dieser Stelle das Zitat von Nonaka "Knowledge-creating companies may not necessarily be good at making money, but in the long run they will win" nicht aus, explizitere Ansätze sind notwendig. Aus diesem Grund widmen wir diese Newsletter-Ausgabe dem Thema Messbarkeit und Controlling von Wissensmanagement-Aktivitäten und bieten einen Überblick über bestehende Ansätze, die sich in der Praxis bewähren.
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Die Cogneon Newsletter-Redaktion
Einige Vorüberlegungen
Spätestens seit den Arbeiten von Lane, Drucker, Castells, Florida und Willke wissen wir, dass wir uns in der gesellschaftlichen Transformation von der Industrie- in die Wissensgesellschaft befinden, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die Bedeutung von Wissen als Wertschöpfungsfaktor zunimmt.
Diese Transformation findet natürlich nicht plötzlich statt, sondern wird sich, wenn man den Prognosen von Matthias Horx (Zukunftsinstitut) glauben schenken darf, noch eine Weile hinziehen. Der Trend in diese Richtung ist aber klar erkennbar, z.B. in der Studie "Tätigkeiten und berufliche Anforderungen in wissensintensiven Berufen", die zu der Erkenntnis gelangt, dass der Anteil von wissensintensiven Berufen von 1996 bis 2006 um 15,7 % zugenommen hat.
Dass die Professionalisierung des Umgangs mit Wissen in Unternehmen auch zu wirtschaftlichem Erfolg führt, kann man z.B. an dem Ergebnis des 10-Jahres-Mittels der Gewinner des Most Admired Knowledge Enterprise Awards 2008 (MAKE) ablesen: "Successfully managing enterprise knowledge yields big dividends. The 2008 Global MAKE Winners trading on the NYSE/NASDAQ showed a Total Return to Shareholders (TRS) for the ten-year period 1997-2007 of 16.3% – over twice the average Fortune 500 company median".
Aus diesen Vorüberlegungen kann man einfach schließen, dass die Wissensorientierung in der Wirtschaft auf sehr viel mehr Bereiche als nur die technische Bereitstellung von Dokumenten (Dokumentationsstrategie) oder das Management von Personal (Personifizierungsstrategie) angewendet werden muss. Insbesondere die strategische Planung (Wissensstrategien und -ziele), das Corporate Governance (Wissenspolitik) und das Controlling (Wissenscontrolling und -bewertung) müssen neu betrachtet werden. Im folgenden ein kurzer Streifzug durch drei in der Praxis oft verwendete Ansätze mit vielen Links zum weiterlesen.
Wer sich gerne eine Überblick über weitere hier nicht genannte Ansätze verschaffen möchte, kann dies im European Guide to Good Practice in Knowledge Management (Kapitel 5) oder in dem Artikel Intellectual Capital Reporting - ein Vergleich von vier Ansätzen von Klaus North tun.
Die Balanced Scorecard - Roots and Inspirations
Die Balanced Scorecard (BSC) ist ein Instrument der Strategieplanung und vor allem auch -umsetzung und wurde von Kaplan und Norton in den 90er Jahren entwickelt. Eine BSC wird zeigt im Regelfall nicht mehr als 20 Kennzahlen auf einer DIN-A4-Seite in vier Perspektiven an. Die vier Perspektiven sind Finanz-, Kunden-, Prozess- sowie Lern- und Wachstumsperspektive. In der Lern- und Wachstumsperspektive kann das Wissenscontrolling ansetzen.
Durch eine sog. Strategy Map, die der Vester'schen Sensitivitätsanalyse aus der Wissensbilanz sehr ähnlich ist, werden Einflussfaktoren und deren Abhängigkeiten untereinander analysiert und dargestellt. In einer standardisierten Darstellung werden die Einflussfaktoren, die einzelnen Ziele, die Mess- und Zielgrößen, strategische Initiativen und deren Budgets dargestellt.
Vorteil der Balanced Scorecard sind 1. die Verfügbarkeit eines standardisierten Strategieprozesses 2. die Darstellung des Ursache-Wirkungsgefüges von intellektuellem (Lern- und Wachstumsperspektive) und Finanzkapital (Finanzperspektive) sowie 3. die über 10-jährige Erfahrung die mit der BSC als Strategie-Implementierungs-Instrument vorliegen.
wb:ö - Die Ursprünge der Wissensbilanz made in Germany
Die Vorarbeiten zu den ersten Ansätzen des Wissenscontrollings im deutschsprachigen Raum gehen in das Jahr 1999 und nach Österreich zurück. Dort befassten sich Prof. Günther Koch (damals Austrian Research Center) und Prof. Ursula Schneider mit der Messung und der Berichterstattung von "Intangible Assets". Der Ansatz wird in dem Artikel Measuring and reporting intangible assets and results in a European Contract Research Organization von Koch/Leitner/Bornemann ausführlich beschrieben (Hinweis: Die eigentliche Vorgeschichte reicht noch weiter zurück, nämlich zu Karl-Erik Sveiby (Intangible Assets Monitor) und Leif Edvinsson (Skandia Navigator)).
Das darin enthaltene Strukturmodell "ARCS Intellectual Capital Report Model" leitet bereits Wissensziele aus der Vision und den Unternehmenszielen ab. Es betrachtet das intellektuelle Kapital, bestehend aus Human-, Struktur- und Beziehungskapital, als wertschöpfenden Faktor. Die Erkenntnis, dass "prozessorientiertes Wissensmanagement" der Königsweg ist, hat sich bei vielen erst sehr spät durchgesetzt. Umso bemerkenswerter ist, dass hier bereits 1999 mit den sog. "Key Processes" die Geschäftsprozesse der Organisation im Mittelpunkt stehen. Sie sind für finanzielle/nicht-finanzielle Ergebnisse der Organisation verantwortlich.
Die heute verfügbare Wissensbilanz Österreich (wb:ö) enthält ein Arbeitsmodell Wissensbilanz Österreich, dessen Ursprünge deutlich erkennbar sind. Gut an dem österreichischen Ansatz ist, dass, ähnlich wie bei der Balanced Scorecard, Finanzkapital und intellektuelles Kapital sowie deren Zusammenwirken zumindest auf der Modellebene gemeinsam betrachtet werden.
Wissensbilanz made in Germany
Durch ein Treffen der österreichischen Experten und einiger deutschen Interessierten, kam es bei einem Treffen zur Gründung des sog. Arbeitskreises Wissensbilanz, der bis heute existiert, vom BMWI gefördert wird und den Leitfaden "Wissensbilanz made in Germany" mittlerweile in einer Version 2.0 zur Verfügung stellt.
Das Strukturmodell der Wissensbilanz made in Germany geht auch von Vision, Geschäftsstrategie und Wissensstrategie aus und sieht die Geschäftsprozesse (inkl. Wissensprozesse) als wichtigstes Instrument für die Realisierung des Geschäftserfolgs. Auf die Geschäftsprozesse wirkt das intellektuelle Kapital mit den Dimensionen Human-, Struktur- und Beziehungskapital ein.
Die Erstellung von Wissensbilanzen nach dem Vorbild des Leitfadens wurde in mehreren Phasen vom BMWI gefördert, viele der erstellten Wissensbilanzen stehen öffentlich im Internet bereit. Erwähnenswert ist noch, dass mit der Wissensbilanz-Toolbox eine kostenlose Software zur Erstellung von Wissensbilanzen verfügbar ist, dass sich mittlerweile ein Moderatorennetzwerk von ausgebildeten Wissensbilanz-Moderatoren gebildet hat und dass die EnBW das erste Großunternehmen in Deutschland ist, das die Wissensbilanz in ihren Gesellschaften einsetzt (siehe z.B. Präsentation von Ulrich Schmidt).
Wenn Sie wissen möchten, ob Ihre Organisation schon fit für die Wissensbilanz ist, können Sie einfach den Wissensbilanz-Schnelltest der Wirtschaftswoche Online machen.
Zum Weiterlesen
Für alle, die sich noch weiter in das Thema einlesen wollen, noch einige Links:
- The Danish Guideline on Intellectual Capital Reporting: mit einer der ersten Leitfäden in Europa.
- Guidelines for Disclosure of Intellectual AssetsBased Management: der Leitfaden des japanischen Wirtschafts- Handels- und Industrieministeriums METI.
- InCaS - Intellectual Capital Statement for Europe: ein EU-gefördertes Projekt, das einen gemeinsamen europäischen Leitfaden erstellt.
- RICARDIS: Reporting Intellectual Capital to Augment Research, Development and Innovation in SMEs.
- Und am Ende noch eine Empfehlung für das Buch "Intellectual Capital for Communities - Nations, Regions and Cities", herausgegeben von Ahmed Bounfour und Leif Edvinsson, denn die Wissensgesellschaft macht natürlich an der Unternehmensgrenze nicht halt - wir müssen uns auch um Wissensstädte, Lernende Regionen, Lernende Nationen und den Lernenden Planeten kümmern!
Interessante Wissensmanagement Veanstaltungen
- 06.10.2009: WikiCamp '09 in Frankfurt am Main: Das WikiCamp findet im Vorfeld des Enterprise 2.0 Summit statt und ist KOSTENLOS.
- 06.-07.10.2009: KnowTech 2009 in Frankfurt am Main.
- 07.-08.10.2009: Enterprise 2.0 Summit in Frankfurt am Main: auch mit Dion Hinchcliff.
- 08.10.2009: Karlsruher Symposium für Wissensmanagement in Karlsruhe.
- 09.-10.10.2009: GfWM KnowledgeCamp 2009 in Karlsruhe: Quasi als Abrundung und Zusammenfassung dieser sehr intensiven "Wissenswoche" veranstaltet die Gesellschaft für Wissensmanagement e.V. das KnowledgeCamp im Un-Conference-Format. Die Teilnahme ist voraussichtlich KOSTENLOS.
- 25-27.10.2009: WikiSym 2009 in Orlando, Florida, USA: Nach der sehr erfolg- und lehrreichen WikiSym 2008 in Porto, Portugal freuen wir uns schon auf diese Veranstaltung.
- 05.-07.11.2009: 2nd Knowledge City Summit in Shenzen/China, die Veranstaltung für Wissensstädte und Wissensregionen. Beim Knowledge City Summit wird der Gewinner des Most Admired Knowledge City Award bekannt gegeben. Wir waren an der Nominierung der Metropolregion Nürnberg beteiligt.
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